Mikroexpressionen – Der Geheimcode unseres Gesichts

Wenn wir die GlaubwĂŒrdigkeit eines Menschen nicht faktisch nachvollziehen können, verlassen wir uns meist intuitiv auf den Gesichtsausdruck. Glatte LĂŒgen von schlechten Schwindlern sind in der Regel leicht zu erkennen, da sie sich nicht darauf verstehen das LĂŒgen emotional zu verbergen. Doch wie ĂŒberfĂŒhrt man geĂŒbte LĂŒgner und was hat dies mit der Online-Welt zu tun? Diesen und weiteren spannenden Fragen widmen wir uns in unserer kleinen Artikel-Serie zum Thema Mikroexpressionen nach Ekman (2004).

Wie ĂŒberfĂŒhrt man nun geĂŒbte LĂŒgner?

Hier gilt es sich eine kleine Schwachstellen zu Nutze zu machen: die sogenannten Mikroexpressionen nach Ekman (2004). Hierbei handelt es sich um die tatsĂ€chlichen Emotionen, die eine Person zu einem bestimmten Sachverhalt aufweist. Diese zeigen sich im Gesicht, bevor die betroffene Person die Möglichkeit hat, die vermeintlich angemessene Emotion ĂŒber ihr Gesicht zu legen. Allerdings geht das sehr schnell und dem Betrachter bleibt circa eine drittel Sekunde, um die Mikroexpressionen zu identifizieren – keine Zeit also fĂŒr eine bewusste Wahrnehmung. Wenn ĂŒberhaupt, erfolgt eine unbewusste Wahrnehmung. Bei Ablenkung entgehen sie einem daher schnell.

„Unser Gesicht ist das Fenster zur Seele, und seine FlĂŒgel sind immer weit geöffnet. Man muss nur hineinsehen.“

Konkret heißt das: Ein Mikroausdruck entsteht immer dann, wenn jemand etwas zu verbergen versucht. Dabei muss nicht immer Unehrlichkeit eine Rolle spielen, manchmal verdrĂ€ngen Menschen auch ihre eigentliche Emotion. Der Betroffene ist sich dann seiner verborgenen, aber eigentlichen Emotion gar nicht bewusst. Ekman zu Folge gibt es sechs universell verstĂ€ndliche GesichtsausdrĂŒcke, die unter einer Maske immer wieder aufblitzen. Diese sind Freude, Überraschung, Ekel, Zorn, Angst und Trauer – auch bekannt als die sechs Basisemotionen.

Besonders interessant ist hierbei, dass diese Basisemotionen in jeder Kultur der Welt verstanden werden. Lediglich leichte AusprÀgungen und die IntensitÀt sind je nach Kulturkreis ein klein wenig verschieden. Das bedeutet, dass diese Emotionen universell von Menschen verschiedener Kontinenten identifiziert werden. Diese Erkenntnisse werden beispielsweise genutzt um bei Comicfiguren möglichst lebhaft anmutend Freude, Hass oder Ekel aufs Antlitz zu zaubern.

Und - wie gut ist dein Auge?

Doch zurĂŒck zur ÜberfĂŒhrung potentieller LĂŒgner. In einigen FĂ€llen ist dies nĂ€mlich auch ohne Hightech-GerĂ€te möglich. Der SchlĂŒssel kann das LĂ€cheln sein, das uns unser GegenĂŒber zeigt. Wer lĂ€chelt zeigt ein sozial erwĂŒnschtes Verhalten und versucht so ĂŒber seine echten Emotionen – wie beispielsweise Angst oder Schuld - hinweg zu tĂ€uschen. Beurteile einmal selbst, welches der Bilder das echte und welches das falsche LĂ€cheln zeigt. Die Lösung erhĂ€ltst du, wenn du das zweite Bild betrachtest.

Ein Indiz, das bei der Entscheidung geholfen haben könnte: kĂŒnstliche GesichtsausdrĂŒcke sind meist asymmetrischer als Echte. Der Mundwinkel auf der einen Seite bewegt sich weiter nach oben als der auf der anderen Seite. NatĂŒrlich ist das keine Garantie um jeden LĂŒgner zu entlarven, kann aber einen wichtigen Hinweis liefern. Auch beim Beurteilen anderer Expressionen sollte man vorsichtig vorgehen, denn LĂŒgner zeigen zwar am hĂ€ufigsten Angst oder Freunde als Mikroexpression, jedoch bedeutet das im Umkehrschluss nicht, dass jeder, der Freude zeigt, lĂŒgt.

Ausblick: Mikroexpressionen & Medienforschung?

Auch wenn Ekmans Theorie hĂ€ufig in der Kritik stand und es keine absolute Garantie gibt, einen LĂŒgner anhand von Mikroexpressionen zur entlarven, lohnt sich dennoch eine genaue Beobachtung. Denn das Gesicht schweigt nie, auch nicht, wenn die Lippen verschlossen bleiben.

NatĂŒrlich macht sich auch die Medienforschung diese Erkenntnisse zu Nutze. Wie Mikroexpressionen dort genutzt werden können, erfĂ€hrst du im nĂ€chsten Blogbeitrag.

Anica Pilz
Anica Pilz
Als Psychologie-Studentin brennt Anica insbesondere fĂŒr digitale Themen in Symbiose mit der Psyche das Menschen. Hierbei ist es ihr ein besonderes Anliegen, den Nutzer im digitalen Umfeld zu verstehen und die UX auf Basis der Beobachtungen zu optimieren.

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